IT AIN'T OVER 'TIL IT'S OVER


Träume haben und Träume realisieren hält jung.

Gibt es einen definitiven Punkt im Kletterleben, an dem Du den sportlichen Sinkflug hinnehmen mußt? Oder ist es wie bei Rocky, der auch noch mit über sechzig Jahren protze »I haven't peaked yet«? Diese Frage können nur Menschen wie Ute Blaurock beantworten, die Dinge tun, die eigentlich für etwas Jüngere gedacht sind. Über die Ungerechtigkeiten des Alters fängt der gemeine Vertical Aficionado in der Regel spätestens dann an zu lamentieren, wenn eine Vier am Anfang das Alter markiert. Um dann mit der Fünf nur noch von den guten alten Zeiten zu träumen ...

Und ich selber beschäftige mich mit Mitte vierzig oft genug mit der Frage, wann ich mal ganz total voll ernsthaft die Tick List meiner über den Globus verstreuten Wunschrouten und Boulder angehen sollte, wenn ich sie in diesem Leben noch klettern möchte. Oder ist das reine Panikmache? Grundsätzlich gilt für alles im Leben: Mach das, was Du unbedingt machen willst, jetzt! Da gibt's kein Vertun, dass das Aufschieben fast immer nach hinten losgeht. Wenn ich mir aber meine Freundin Ute Blaurock anschaue, kann ich eigentlich doch nochmal ganz gemütlich die Füße hochlegen. Der Columbia Boulder wird auch nächstes Jahr noch im Camp 4 stehen ...



Crimp that shit am Kanzelfels.

Kurz nämlich, bevor sich bei Ute die Sechs ankündigte, beschloß sie alles auf eine Karte zu setzen und die komplette Saison in eine Route zu investieren. Und zwar in den »Daywalker«, dessem Grad von 8a immer noch eine gewisse Mystik innewohnt. Zumindest für diejenigen, die ohne 8a.nu aufgewachsen sind ... An dieser Stelle ein fun fact about Ute: Als sie in den 80ern lediglich auf der Suche nach einem Studentenzimmerchen war und im sechsten Grad durchs Vertikalleben chillte, landete sie durch Zufall im legendären Hotel Frankenjura von Güllich und Albert! Nichts ahnend frühstückte sie tagtäglich beispielsweise mit Jerry Moffatt und weilte mitten unter der Weltelite der internationalen Kletterszene, ohne zunächst auch nur einen Gedanken an Freeclimbing und »Pushing the limits« zu verschwenden. Irgendwann aber sprang das rotgepunktete Virus auch auf sie über.



»It's never too late to change your fate.« (Kylie Minogue)


Wesentlich inspiriert wurde sie beim »Daywalker« von Kletterkultur-Gründer Joseph Wetzel, der vor ihren Augen eine Begehung mit maximaler Punktzahl in den Kategorien »Style« und »Flow« ablieferte. Und zudem jedes Detail seiner Beta mit Ute auf charmanteste Art und Weise teilte. Und auch wenn man am Anfang eigentlich gar nichts oder nur sehr wenig ging, war die Motivation groß, einmal die Leistungsgrenze komplett auszutesten. Ute sagt, dass »es selbst dann keine verlorene Saison gewesen sei, auch wenn es nicht geklappt hätte.« 18 Tage investierte sie in die Tour, bis ihr der Durchstieg gelang.



It's now or never.


Und fragt man sie nach dem Geheimrezept, ist es das schlichte »dranbleiben ist der Schlüssel«. So simpel, aber gleichzeitig auch so schwer umzusetzen! Und, ist noch Luft nach oben? »Eigentlich war ich am Begehungstag gar nicht so super ausgeruht und die Bedingungen waren auch nicht vom allerfeinsten, also könnt' schon sein.«

Ute, you haven't peaked yet!




Entscheidend für den Erfolg war neben großer Begeisterung auch ihr Wissen als erfahrene Heilpraktikerin, das sie bei der großen mentalen sowie körperlichen Anstrengung gesund und fit hielt. Schau Dir das Interview an, um mehr über die Hintergründe zu erfahren.



Es ist ein feiner Grad zwischen der wichtigen Erkenntnis, dass man älter und nicht unbedingt leistungsfähiger wird, neben dem Wunsch sportlich trotzdem noch nicht in Rente zu gehen. Einfach zu ignorieren, dass der Zahn der Zeit an Dir nagt, kann Dich zum peinlichen Berufsjugendlichen machen und viel Frust produzieren. Aber nur noch die Füße hochzulegen und Chips futtern, weil eh alles zu spät ist, macht auch nicht glücklich. Vermutlich liegt das Glück wie so oft in der Balance: Relaxtes Klettern und ab und an ein fettes Highlights setzen. Amen.







Hier noch eine kleine Diashow - get inspired!

Lovely Kanzelfels. Lovely Daywalker von Joshi Schulz.